Thesen über Feuerherdt

In seinem Eingangsreferat zur Podiumsdiskussion1 auf dem Antifa-Camp in Oberhausen versuchte Alex Feuerherdt sich an einer Kritik am „…UmsGanze!“-Bündnis. Zum einen geht es um die Vermittlung der richtigen Gesellschaftskritik2 und um eine Kritik an der Militanz, bzw. an den Militanten des schwarzen Blocks. Da es hier um eine Kritik an den vorgebrachten „Thesen“ Feuerherdts geht, ist es zuerst einmal nötig, aus dem Gesagten einen Begriff der Kritik der hier vorrausgesetzt wird zu rekonstruieren und zu kritisieren.

Kern der Feuerherdtschen Argumentation ist die Behauptung, eine Kritik an der Bewegung und der Verhältnisse könne nur sinnvoll vorgetragen werden, wenn sie sich der „Mobilisierung und Eingemeindung versage“. Sie müsse Kritik an „sämtlichen Konstitutionsmomenten des Protests“ sein, ansonsten sei sie nur „billige Strategiediskussion, wie sie genauso zwischen linksruck, attac, der antiimperialistischen Koordination und sonstigen hysterischen Gegnern des „Raubtierkapitalismus“ und des „zionistischen US-Imperialismus“" stattfände.
Richtige Kritik zeichnet sich nach Feuerherdt also anscheinend nicht primär durch ihren Inhalt aus, sondern dadurch, dass sie nicht angenommen wird und aus ihr keine Praxis folgt. So richtig sie auch ist3, sie soll sich „der Mobilisierung und Eingemeindung versagen“. Dieser Anspruch an Kritik ist verkehrt und hat übrigens mit dem Prädikat „kommunistisch“, mit dem er sich selbst gern schmückt, rein gar nichts zu tun. Kritik ist inhaltlich entweder richtig oder falsch, wenn sie richtig ist, dann kann sie logisch nicht pluralistisch „eingemeindet“ werden, sondern sie verweigert sich solchen Widersprüchlichkeiten durch Kohärenz. Davon ausgegangen, dass die Kritik von „…UmsGanze!“ richtig ist, grenzt sie sich dadurch von linksruck, attac und co. ab. Da sich die Zwecke in diesem Falle notwendig von denen der „hysterischen Gegner des „Raubtierkapitalismus“ und „zionistischen US-Imperialismus“" unterschieden, wäre eine „Strategiediskussion“ nicht nur verkehrt sondern auch gar nicht möglich. Eine Diskussion kann und muss es dennoch geben. Und zwar inhaltlich über die richtige Kritik an Staat und Kapital. Um Missverständnissen vorzubeugen, eine solche Diskussion hat nichts mit „Pluralismus“ zu tun. Das Gegenteil ist der Fall. Eine Diskussion, die mit dem Interesse der Klärung über den Sachverhalt geführt wird, verhindert ein Nebeneinander von richtigen und falschen Erklärungen, von kommunistischer Kritik und gutgemeinten Reformvorschlägen.

Eine weitere Behauptung Feuerherdts ist, dass die Kritik eine „an sämtlichen Konstitutionsmomenten des Protests“ zu sein habe. Was Feuerherdt jedoch damit meint ist falsch. Es ist verkehrt, wie Feuerherdt4, davon auszugehen, dass Protest gegen Gipfeltreffen der G8 falsch wäre, weil diese ohnehin keinen Einfluss hätten5, dass die G8-Staatschefs nun gar nichts mit dem Kapitalismus als System zu tun hätten und sie nur die Getriebenen in einem „abstrakten“ Herrschaftsverhältnis sind. Daraus folgt der Schluss, dass deshalb Protest nicht angesagt wäre, sondern gar reaktionär, weil er die Verantwortlichkeit für die durch die kapitalistische Konkurrenz hervorgebrachten Schädigungen Einzelnen zu schieben würde. Ein richtigere Bestimmung dessen, was auf so einem Gipfel passiert, liefern die Genoss_Innen von der Gehirnschneckenpartei:

Auf dem Gipfel 2007 wie auch auf früheren Gipfeln übernehmen die Großmächte weder gemeinsame Verantwortung für die Genesung der Welt noch vereinbaren sie als Komplizen deren Ausplünderung, sondern wickeln Konkurrenzaffären untereinander ab. Sie stellen sich den ruinösen Wirkungen, die ihre eigene Konkurrenz um den kapitalistischen Reichtum der Welt hervorbringt und dessen weitere Aneignung gefährdet. So widmen sie sich unter dem Stichwort Entschuldung der hoch verschuldeten armen Länder den Gefahren für das internationale Finanzsystem, die aus der Fortschreibung uneinbringlicher Schulden erwachsen und streiten sich darum, welche der großen Gläubigernationen dafür welche Kreditforderungen zu streichen haben. Unter dem Stichwort Aids und Armutsbekämpfung befassen sie sich mit ihrem Ärgernis über Staaten, die an ihren weltwirtschaftlichen Existenzbedingungen zugrunde gehen. “Failing states” bringen Chaos in ganze Weltregionen, das noch die wenigen Geschäfte verhindert, die mit ihnen gehen würden.

Die G8 sind eben nicht einfach nur Getriebene der Konkurrenz, sie richten kapitalistische Konkurrenz ein. Diese Konkurrenz bringt notwendig Schädigungen für die hervor, die in dieser Angelegenheit als Mittel zur Durchsetzung in der Konkurrenz herangezogen werden. Noch dreckiger geht es jenen, die nicht mal mehr dazu gebraucht werden. Zur Frage des Protests wird dort angemerkt:

Wer gegen die schlimme Verfassung der Welt und die Mächte, die in ihr das Sagen haben, Protest angesagt findet, sollte also wenigstens wissen, womit er es zu tun hat. Und er sollte sich besser davor hüten, den Führern der mächtigsten Staaten auf dem Globus vorzuwerfen, sie seien verantwortungslos und „versagten bei der Lösung der Weltprobleme“.

Gleiches gilt für jene, die den G8-Protest kritisieren wollen. Sie sollten wissen mit was man es dort zu tun hat und den Protest an den falschen Bestimmungen kritisieren, die dort ja tatsächlich vorgebracht werden. Ansonsten ist die vorgebliche „Kritik“ am Protest nicht mehr als das was Feuerherdt abliefert, nämlich eine moralischer Vorwurf an „umsganze“ und „interventionistische Linke“ mit AntisemitInnen demonstriert zu haben, obwohl sie sich von deren Positionen inhaltlich abgegrenzt haben. Das ganze gipfelt in einem recht billigem Denunziationsversuch: Die sog. „Militanten“ seien begeistert von der „arabisch-palästinensischen Militanz“, ihre antisemitischen Vorbilder seien im Nahen Osten zu finden. Trotzdem sich jene Linken die am G8-Protest beteiligt waren sich bis auf eine Ausnahme6 von IslamistInnen und co. abgrenzt haben, findet Feuerherdt eine Gemeinsamkeit: die „zünftige Vermummung“ die sich linke und islamistische Militante zulegten und eben das sie „Militanz predigen“. Weiterhin entdeckt er im „autonome(n) Aufruf „Banden zu bilden“" einen „Abfall von einem Mindestmaß an Aufgeklärtheit und Zivilisiertheit“. In diesem Part ist nun kein einziges Argument enthalten. Feuerherdt abstrahiert wieder vollkommen von den Gründen die Linke für Militanz haben und auch von den Gründen die IslamistInnen haben, wenn sie sich z.B. in die Luft sprengen. Nur durch oberflächliche Gemeinsamkeiten soll der Eindruck erweckt werden, es wären schon Hamas, Hizbollah und nationaler Widerstand gemeinsam durch Heiligendamm marschiert und hätten sich mit den Cops geprügelt.
Und so etwas ist keine Kritik, das ist Hetze.

  1. Download hier:
    Teil 1: http://rapidshare.com/files/48797515/oberhausen_diskussion_postheiligendam_teil1.mp3 Teil 2: http://rapidshare.com/files/48846893/oberhausen_diskussion_postheiligendam_teil2.mp3 [zurück]
  2. nicht über deren Inhalt, dort scheint er dem Bündnis zuzustimmen [zurück]
  3. im Falle von „umsganze“ ist sie zwar nicht zur Gänze richtig, aber da Feuerherdt davon komplett abstrahiert muss es hier gar nicht darum gehen [zurück]
  4. wie umsganze und IL leider auch [zurück]
  5. oder auch das dort ohnehin nur über das Wetter geredet würde, wie der KOK Düsseldorf-Vertreter auf dem Podium meinte [zurück]
  6. und hier ist die Frage wie „links“ AIK und co. noch sind [zurück]

8 Antworten auf “Thesen über Feuerherdt”


  1. 1 kaputt 21. August 2007 um 18:51 Uhr

    „es wären schon Hamas, Hizbollah und nationaler Widerstand gemeinsam durch Heiligendamm marschiert und hätten sich mit den Cops geprügelt.“
    hätte das anders ausgesehen?

  2. 2 Administrator 21. August 2007 um 19:05 Uhr

    *lol* du checkst es einfach nicht, kaputt. wie es aussieht ist eben vollkommen egal. es geht darum aus welchen *gründen* soetwas gemacht wird.
    (davon abgesehen: ja, das hätte anders ausgesehen)

  3. 3 Morgenthau 21. August 2007 um 20:52 Uhr

    wie denn „anders“?

  4. 4 Administrator 22. August 2007 um 1:17 Uhr

    @kaputt und morgenthau: Ich eure Beiträge auch immer noch löschen. So als Zeichen meines Entgegenkommens. Schließlich haben sie noch nicht so viele Menschen gelesen.

  5. 5 Egal 22. August 2007 um 13:16 Uhr

    Gibs auf, die beiden (exemplarisch für eine Strömung) wollen nicht verstehen, dass es auf Begründungen und den Kontext eines riots ankommt.

  1. 1 Siggi, du Knalltüte, | Miss Taken Identity Pingback am 29. August 2007 um 14:34 Uhr
  2. 2 Das geprüfte Argument Trackback am 20. September 2007 um 19:39 Uhr
  3. 3 Diese Linke ist so fies! at Fraktale Pingback am 23. November 2007 um 13:56 Uhr
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