Archiv für August 2007

Miss Understood

„Diese linken Schwulen bilden sich ein, diese Camps seien zu einem bestimmten Grad schwulenfreundlich, weil sie sich dort ficken lassen können. Wenn jemand damit zufrieden ist, sich wie ein Kamel benutzen zu lassen, finde ich das bemitleidenswert.“

Bis auf weiteres: Anstelle einer inhaltlichen Auseinandersetzung

Nach dem ich das zweifelhafte Privileg, hatte auf dem Antifa-Camp in Oberhausen einer Podiumsdiskussion zwischen Vertretern von KOK Düsseldorf, Autonomer Antifa [f] und Alex Feuerherdt (jungleworld, Jüdische Allgemeine und irgendwelche Sportmagazine) beiwohnen zu dürfen, wurde im ADF nun angekündigt, dass ein MP3-Mitschnitt dieser Veranstaltung bald zur Verfügung gestellt würde. Das ist äusserst erfreulich, denn so können sich die Menschen, die aus verschiedenen Gründen nicht anwesend waren, doch noch davon überzeugen, wie Veranstalter und antideutsche Campbesucher dort eine peinliche Inszenierung der Differenz zum „globalisierungsfeindlichen pöbel“1 übten, wie sie inhaltsleerer und argumentloser nicht hätte sein können. Hier zeigte sich deutlich, dass die Bezeichnung des Camps als „Antifa-Camp“ genau richtig gewählt war. Denn anstelle einer Kritik an der globalisierungskritischen Bewegung in kommunistischer, also revolutionärer Absicht zu formulieren, wie es die Antifa [f] zumindest versucht hat, genügte man sich damit der sog. Bewegung Antisemitismus und Antiamerikanismus (also: Nazismus) vorzuwerfen. So spekulierte Alex Feuerherdt, ganz journalistisch herum, wie groß denn die Proteste gegen den Gipfel ausgefallen wären, wenn die USA nicht dort beteiligt gewesen wären, während andere mit Fingerzeig auf den Vertreter der Antifa [f] die Bedeutung des „Palästina-Soli-Blockes“ auf der Großdemonstration am 2. Juni hinwiesen. Was also geliefert wurde, war das Maximum dessen, wozu Campteilnehmer und Alex Feuerherdt intellektuell in der Lage sind: Polemik ohne Beleg2 , goutiert durch pubertäres Gekicher von den meist jüngeren Antideutschen und eben Bewegungskritik am Maßstab „Antifa“. Dass das Ganze mit „Kommunismus“ bzw. kommunistischer Kritik wenig gemein hat, störte die wenigsten. Am Lächerlichsten wirkte es dann noch, dass den Protestierern von Heiligendamm vorgeworfen wurde eine Art „Racket-Herrschaft“ errichten zu wollen und alleine aus Bewegunsfetischismus hergefahren zu sein und das meist in schwarz gekleidete und mit blau-weißen Buttons ausgestattete Publikum3 gerade an diesen Stellen besonders laut applaudierte und die US-Fähnchen besonders heftig schwenkte. Bleibt nur zu hoffen, dass der angekündigte „…ums ganze“-Kongress genau zu dem Zeitpunkt stattfindet, an dem nächstes Jahr dann die 8. Ausgabe dieses Camps geplant ist. So kommen vielleicht die restvernünftigen Teile der auseinandergefallenen 90er-Jahre-Antifabewegung nicht auf die absurde Idee, dass dort agitatorisch und argumentativ noch irgendwas zu holen wäre.

  1. Libido im ADF [zurück]
  2. der Vertreter der KOK bekam auf seine Nachfrage, wo denn im Block der interventionistischen Linken die Antisemiten zu finden gewesen sein sollen keine Antwort [zurück]
  3. über ihre Bewaffnung kann ich nur spekulieren, einige Gürteltaschen klirrten aber beim gehen verdächtig [zurück]

Nachtrag:
Libido, einer der begeistertsten Claqueure vom Samstag, ist ob der Erfahrung von soviel Zusammenhalt seiner Bewegung gleich wieder ans Bloggen gekommen. Der linken Unsitte des Pluralismus ist es geschuldet, dass ich doch tatsächlich auf seinen Beitrag hinweise.