Irgendetwas stimmt hier nicht.

Spiegel Online berichtet über einen Angriff auf einen schwarzen US-Bürger und seine Freundin:

Die Berliner Polizei teilte am Abend mit, dass die Jugendlichen im Alter von 16, 17 und 19 Jahren den US-Bürger „aufgrund seiner Hautfarbe“ angegriffen hätten. Dennoch gebe es keine Hinweise auf eine fremdenfeindliche Tat, hieß es in der Polizeimeldung.

Ich frage mich grade was die Berliner Polizei mit dieser doch leicht widersprüchlich klingenden Wortwahl mitteilen möchte. Vielleicht, dass die tatsächliche US-Staatsbürgerschaft des Opfers für ihr Motiv keine Rolle spielte? Dass das Opfer den Tätern so „fremd“ war wie z.B. die Kassiererin bei Aldi um die Ecke oder der nächste Passant? Vielleicht haben sie geschnallt das „Fremdenfeindlichkeit“ eine irreführende Bezeichnung für die Motivation, die solchen Angriffen zu Grunde liegt ist.
„ceza“ schrieb dazu mal im Kommunistischen Forum:

Xenophobie ist Fremdenhass. Xenophobie gibt es in der Moderne nicht mehr. Wenn man über die Straße läuft, sind einem über 99% der Menschen fremd. Fremdheit ist in der modernen Großstadt die Grunderfahrung schlechthin. Xenophobie setzt eine geschlossene ländliche Gesellschaft voraus, die so gut wie nie mit Fremden in Berührung gerät. Die Normen der drei abrahamitischen Weltreligionen, besonders aber Judentum und Islam, stimmen in ihrer Verurteilung der Fremdenfeindlichkeit überein, denn Gastfreundschaft ist in einer vormodernen Gesellschaft, mehr noch aber in einer nomadisch geprägten Region wie dem Vorderen Orient, überlebenswichtig. Deshalb gilt Fremdenfeindlichkeit im Judentum und im Islam als das schlimmste Verbrechen überhaupt. Mit Xenophobie hat der völkisch motivierte Ausländerhass der Deutschen eher wenig zu tun. Dieser Begriff ist meines Erachtens eine Fehlbenennung, und er ist in diesem Zusammenhang auch eher unüblich.

Aber wahrscheinlich war es einfach schon spät in Berlin.


5 Antworten auf “Irgendetwas stimmt hier nicht.”


  1. 1 Henry 04. November 2007 um 3:50 Uhr

    Ich denke, dass diese ganzen Begrifflichkeiten um Fremdenfeindlichkeit allgemein sowieso überschätzt sind. Wenn man sich so ansieht, wie reißerisch damit umgegangen wird, fragt man sich ehrlich, warum überhaupt noch eine Unterscheidung stattfinden sollte. Schließlich ist, wenn wirklich mal ein Wort aus dem Pool der Xenophobie genutzt wird, sowieso immer von ausschreitendem Rassismus die Rede.

  2. 2 Administrator 06. November 2007 um 13:49 Uhr

    Henry, ich frage mich grade ob du verstanden hast worum es ging.

  3. 3 Henry 06. November 2007 um 17:45 Uhr

    Ich denke es ging in deinem Artikel darum, dass du dich darüber gewundert hast, dass man den Zusatz mit der Polizei überhaupt gemacht hat. Es ist an sich nicht widersprüchlich, was SPON geschrieben hat, wenn man jedoch das Ganze auf andere Medien bezieht, in denen Fremdenfeindlichkeit mit Rassismus gleichgesetzt wird, bekommt es eine sehr merkwürdige Bedeutung. Als zweites ist es aber ebenso auch völlig unsinnig von Fremdenfeindlichkeit zu sprechen, da wie du ja angeführt hast, solch eine Idealumgebung diese nicht gegeben ist.

    Meine Kritik bezog sich dahingehend auf die Medien allgemein und schlug vor, die Begriffe nebeneinander gleich stehen zu lassen, weil ich denke, dass in den Medien nicht davon abgegangen wird, weiterhin die Begrifflichkeiten falsch zu verwenden. Ich wundere mich aber, was daran so schwer zu verstehen war?

  4. 4 Administrator 06. November 2007 um 19:04 Uhr

    Nunja, mir geht’s nicht darum die Arbeit des Presserats zu machen. Eine richtige Bestimmung von Rassismus erwarte ich von „den Medien“ oder der Polizei ohnehin nicht (grade letzteres wäre ja nur allzu naiv). Es geht mir auch eher darum, dass die Täter offensichtlich die Hautfarbe des Opfers als Grund für den Angriff angegeben haben und die Berliner Polizei trotzdem nicht von einem fremdenfeindlichen Hintergrund der Tat ausgeht. Was ja eigentlich sogar richtig wäre. Nur macht es die Berliner Polizei halt aus anderen Gründen, ne?

  5. 5 Henry 06. November 2007 um 21:20 Uhr

    Richtig, sie wollen keinen großen Medienrummel haben. Es ist meiner Meinung aber zu undeutlich formuliert, als dass man einfach davon ausgehen könnte, die Täter wurden zitiert oder die Polizei nutze das Wort „fremdenfeindlich“ für die Beschreibung der Tat. Das könnte genauso gut alles von SPON formuliert worden sein, da Quellen nicht zu finden sind. Deswegen sind diese Sachen für mich nicht so offensichtlich.

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