Abweichende Erklärungen zu „Verschwörungsdenken“

So, weil das zur Zeit ja irgendwie ein Trend zu sein scheint, eine kurzer, kritischer, Bericht zur Veranstaltung mit Daniel Kulla zur „Entschwörungstheorie“ gestern Abend in Bielefeld.
Zunächst rechtfertigte Kulla seine Beschäftigung mit dem Gegenstand: Zum einen kommt diesem nämlich eine subjektive, biografische Relevanz zu.

Wegen seiner Ost-Sozialisation, so erklärt sich Kulla, wäre er schon ziemlich früh mit Verschwörungstheorien konfrontiert gewesen. So wird bei ihm die reale Feindschaft der US-Amerikanischen Staatsgewalt gegenüber dem Ost-Block zur Grundlage einer „Verschwörungstheorie“ der Ost-Bevölkerung über eine imperialistische Clique in den USA die ihre sozialistischen Vaterländer zerstören will.1 Dazu kamen dann in der Nachwendezeit verschiedene Theorien über den Ausverkauf der volkseigenen Betriebe durch die Treuhand und den Zusammenhang mit dem Attentat auf ihren damaligen Chef Rohwedder. Auf der anderen Seite sieht er im Verschwörungsdenken etwas, was den Leuten in in der derzeitigen Organisation der Welt zumindest nahegelegt wird, weswegen sich eine Beschäftigung damit lohnt. Denn in einer nationalstaatlich aufgeteilten Welt denken sich die Leute das (Staats)Volk, dem sie zugerechnet werden a) essentialistisch und b) als ein gutes, moralisch und auch ansonsten überlegenes Kollektiv. Aus Misserfolgen ihres Staates in der Staatenkonkurrenz, was bei Kulla „internationaler Bedeutungsverlust“ heißt, wird von den Leuten der Schluss gezogen, dass doch irgendwas mit der Welt nicht stimmen kann, wenn ihr eigenes (ja eigentlich gutes) Kollektiv in ihr
so schlecht wegkommt. Hier erfülle die Verschwörungstheorie auch eine psychische Funktion, nämlich das sie eine Aufwertung des Kollektivs in dem Sinne ermögliche, dass es doch immerhin eine Verschwörung gibt die sich mit ihm beschäftige2. Was mir hier nicht klar ist, ist wie Kulla hier zwischen seinem Konstrukt „Verschwörungsdenken“ und stinknormalem Nationalismus unterscheiden will. Passend dazu findet er dieses Denken besonders schlimm, wenn es zur Staatsideologie wird, d.h. wenn es die jeweils Herrschenden3 teilen. Ein solches, Staatsideologie gewordenes, Verschwörungsdenken sieht er zum Beispiel in Syrien am Werke. Hier wird deutlich, dass eine Klassifizierung dieser Gedanken, die sich enttäuschte Nationalisten überall auf der Welt gerne machen, als „Verschwörungsdenken“ mit einer Kritik ihrer Grundlagen nichts zu tun hat. Vielmehr handelt es sich hier schlicht um Parteilichkeit auf Seiten Kullas. Denn warum sollte die Angst der syrischen Nationalisten, zunächst vor Israel, dem direkten Konkurrenten in der Region, und den USA, ihrem Bündnispartner und, wie sie mehrfach auch ganz praktisch klargemacht hat, der verantwortlichen Ordnungsmacht in der Region, irrationaler sein, als die der US-amerikanischen Regierung vor einer „Achse des Bösen“ und/oder al-Kaida? Eine solche Sortierung verschiedener nationalistischer Bedrohungsszenarien in gefährliche Verschwörungsideologie und vielleicht weniger gefährlichen Nationalismus4 geht, bei der gezeigten mangelnden Abgrenzbarkeit, schließlich immer schon eine Parteinahme5 mit dem als geringeres Übel wahrgenommenen voraus.
Die Abgrenzung, die Kulla aber zu leisten meint, ist die zwischen einem bösen „ideologischen Konspirationismus“ und einer guten, offenen Verschwörungstheorie, die es aber hier zu Lande nun gar nicht gäbe. Wie er diese Abgrenzung nun macht und ob sie taugt soll im Weiteren nun nicht interessieren, schließlich folgt sie ohnehin nur aus seinem Interesse der Verschwörungstheorie noch irgendetwas gutes abzugewinnen. Kritisiert werden soll nur das, was Kulla als „offene Verschwörungstheorie“ bezeichnet, und der er ein „kritisches Potential“ zuschreibt. Hier nennt er als Beispiel das aufkommen von Verschwörungstheorien in den USA nach dem 11. September, die die US-amerikanische Regierung zur Einrichtung von Untersuchungskomissionen gezwungen hätte. Deren praktischer Nutzen bestünde darin, dass sie das Versagen der amerikanischen Sicherheitsdienste vor dem Attentat offengelegt und so zu einer Umstruktierung und Effektivierung dieses Apparates geführt hätten. Das „kritische Potential“ von Verschwörungstheorien erschöpft sich offensichtlich darin, dass sie eine Funktion einnehmen, die bei anderen Demokratieidealisten von einer „kritischen Öffentlichkeit“ oder dem „investigativen Journalismus“ wahrgenommen wird. Deshalb kritisiert Kulla auch Verschwörungstheorien, wenn sie alleinige Gültigkeit für sich beanspruchen, als „ideologischen Konspirationismus“, und fordert, ganz im Sinne eines demokratischen Meinungspluralismus, lieber mehr Verschwörungstheorien als weniger, ganz von ihrem Inhalt und dessen Richtigkeit abstrahiert. Schließlich eröffne jede Verschwörungstheorie Möglichkeiten zu denken6. Sie liefere Hinweise. Nur, worauf, ausser auf die schon erwähnte Inkompetenz von Regierungen bei der Terrorabwehr?
Nun, das wurde leider erst in der anschließenden Diskussion deutlich. Dort wurde von einigen Menschen der Einwand formuliert, dass doch an einer Verschwörungstheorie niemals etwas kritisches sein könnte. Eine Verschwörung wäre ja nur dann notwendig, wenn Leute mit einem gemeinsamen Interesse sich zusammenfinden und sich zur Verfolgung dieses Interesses geheim absprechen. Diese geheimen Absprachen wären allerdings nur dann nötig7, wenn bei der Verwirklichung dieses Interesses Mittel angewandt werden sollen, die Entweder der herrschenden Moral oder der staatlichen Ordnung widersprechen. Das Interesse an der Aufdeckung und Skandalisierung solcher Verschwörungen stelle sich somit schon von vorneherein auf den Standpunkt der herrschenden Moral und Ordnung, denn sie seien der Maßstab an dem das VerschwörerInnen-Verhalten kritisiert werde. Und an solch einer Stellung zu den Verhältnissen sei nun nichts kritisches, zumindest nicht im communistischen Sinne. Auf diesen Einwand entgegnete Kulla, dass es in den USA durchaus VerschwörungstheoretikerInnen gäbe, die einen kritischen Begriff von dieser Gesellschaft hätten, nämlich sie als eine „Verschwörung aller gegen alle“ fassen würden. Hier wird deutlich, dass Kulla den Einwand nicht verstanden und zu dem eine falsche Vorstellung von kapitalistischen Verhältnissen hat. Deshalb sei hier noch einmal ausgeführt was an einem solchen Begriff falsch und damit wenig kritisch ist:
Kapitalismus ist weder „der Krieg aller gegen alle“ noch irgendwas wie eine Verschwörung. Kapitalismus ist ein staatlich eingerichtetes Konkurrenzverhältnis in dem Menschen als Freie und Gleiche dazu gezwungen werden ihre Interessen gegeneinander zu verfolgen. Die Mittel die sie dabei verwenden dürfen, schränkt der Staat durch Gesetze ein, genau mit der Rechtfertigung, dass es eben nicht zu einem „Krieg aller gegen alle“ kommen soll, dessen Vorausetzung, nämlich die gegeneinander gestellten Interessen, der Staat selbst durch die Einrichtung der Konkurrenz erst selbst schafft. Was hier zunächst einmal vorliegt ist also nicht eine Verschwörung, sondern eine vollkommen öffentliche und staatlich abgesegnete Interessensverfolgung gegeneinander. „Verschwörung“ kommt hier erst da ins Spiel, wo die Mittel die dazu genutzt werden eben nicht mehr vom Staat geduldet werden können. Hier wird deutlich das „Verschwörungstheorie“ nie etwas anderes sein kann, als die Kritik beschissener Verhältnisse am Maßstab des kapitalistischen Normalbetriebs. Denn die wahrgenommene Schädigung der eigenen Interessen, das „zu kurz kommen“, wird hier nicht der staatlich eingerichteten Konkurrenz angelastet, die natürlich immer nur eine Chance auf die Verwirklichung eines Interesses gewährt, sondern dem kriminellen (d.h. gesetzes- und moralwidrigem) Verhalten aller anderen. Es handelt sich hier also nicht etwa um Kapitalismuskritik, sondern um einen staatsbürgerlichen Moralismus.
So viel zum politischen Urteil über die Veranstaltung. Kulturell (d.h. bezogen auf ihren Unterhaltungswert) gab sie allerdings noch weniger her. Sie war langweilig.

  1. Kulla beraubt sich, in dem er die erstmal ganz realistisch wahrgenommene Feindschaft der imperialistischen Mächte gegenüber dem kommunistischen Block und deren falscher Erklärung durch die Leute in diesen Ländern als Verschwörungsdenken abhandelt, der Möglichkeit den Fehler der in dieser ML-Denke drin ist, nämlich den falschen Widerspruch zwischen bourgeoiser Regierung und eigentlich gutem Volk aufzumachen, zu kritisieren. Zu seiner „Verteidigung“ sei allerdings gesagt, dass er daran wohl gar kein Interesse hat. [zurück]
  2. Hier sieht Kulla dann plötzlich eine „anthropologische Konstante“, dass mit dem Bedeutungsverlust eines Kollektivs Verschwörungsdenken einher ginge. So hat es dann plötzlich doch nichts mehr mit den aktuellen Verhältnissen zu tun. [zurück]
  3. Die es ja eigentlich gar nicht gibt, nach Kullas Auffassung, denn schließlich: „Niemand regiert die Welt“ [zurück]
  4. Ich weiß nicht wie Kulla das nennen würde, dazu schweigt er sich aus. [zurück]
  5. Das sich diese Sortierung eher an der Haarfarbe der genannten Staatschefs ausmachen lässt als an inhaltlichen Unterscheidungen der Ideologien ist ein doofer Zufall und ein Zusammenhang lässt sich nicht nachweisen – aber es könnte ja doch was dran sein, oder?. [zurück]
  6. „Möglichkeiten zu denken“ eröffnet nun aber auch LSD. [zurück]
  7. Dinge wie das Vorbereiten eines Geburtstagsgeschenks bleiben hier mal aussenvor, diese sind ja nicht Gegenstand von Verschwörungstheorien, obwohl sie von der Defintion mitgetroffen werden. [zurück]

14 Antworten auf “Abweichende Erklärungen zu „Verschwörungsdenken“”


  1. 1 Anonymes Wiesel 18. Januar 2008 um 20:13 Uhr

    „Diese geheimen Absprachen wären allerdings nur dann nötig7, wenn bei der Verwirklichung dieses Interesses Mittel angewandt werden sollen, die Entweder der herrschenden Moral oder der staatlichen Ordnung widersprechen.“

    Also da kann ich der Logik nicht folgen und daher ist mir die Schlußfolgerung rätselhaft. Jede Menge Maßnahmen zur Erreichung von Zielen werden geheim abgesprochen. Ein Produkt wird geheim entwickelt. Parteien sprechen hinter verschlossenen Türen miteinander. Ein gut Teil des Militärbereiches ist geheim. Das widerspricht nicht gegen die „herrschende Moral“.

    Wobei „herrschende Moral“ schonmal eine etwas wacklige Voraussetzung für eine Argumentation ist. Ich denke es existieren viele Moralvorstellungen nebeneinander in der Gesellschaft – aber das nur nebenbei.

  2. 2 ebenfalls dagewesen 18. Januar 2008 um 20:14 Uhr

    Krass, wie du Kulla deiner Kritik zurechtbiegst. Wo er in Ideologien verschwörungsideologische Elemente ausmacht, sagst du, er würde diese Ideologien komplett darauf reduzieren. Von „internationalem Bedeutungsverlust“ hat er, soweit ich mich recht erinnere, überhaupt nicht gesprochen. Auch war in dem Zusammenhang nicht von „Misserfolgen ihres Staates in der Staatenkonkurrenz“ die Rede.

    Es erscheint mir, als würdest du deine Kritik bereits vorher formuliert und Kullas Vortrag nur noch nach vermeintlichen Belegen dafür abgehört haben.

    Ich fand es auch sehr unterhaltsam, mit vielschichtigen Beispielen illustriert und an vielen Stellen überraschen komisch.

    Auch die Engelsgeduld, mit der Kulla auf die sich ständig wiederholende Kritik im Sound von „Was ist denn bitte der Nutzen…“ einging, hat mir imponiert. Aber das hat er natürlich nur nicht verstanden…

  3. 3 Paule 18. Januar 2008 um 20:58 Uhr

    Das ist doch wirklich albern hier. Erst gibt’s bei dir gar keine Verschwörungen, sondern nur ganz realen Imperialismus; dann kommt doch plötzlich eine platte Verschwörungsdefinition daher, aus der du dann Urteile über Kullas „harmlosen Verschwörungsdenken“ ableiten willst.

    Weder die Subjekte von Verschwörungstheorien (egal welcher Spielart), noch die Gestalt ihrer „Analysen“ spielen in deiner Kritik eine Rolle, obwohl es bei der Entschwörungstheorie genau darum geht. Nicht um das x-te Wiederkäuen der immer gleichen antikapitalistischen Basics mit implizitem Weiterdenkverbot.

  4. 4 ebenfalls dagewesen 18. Januar 2008 um 21:01 Uhr

    Ach ja, und „Niemand regiert die Welt“, was einfach nur heißt, dass niemand in der Lage ist, die ganzen Welt zu regieren, wird bei dir natürlich gleich zu einer Leugnung von Herrschaft allgemein. Au Backe!

  5. 5 Administrator 18. Januar 2008 um 21:07 Uhr

    Jede Menge Maßnahmen zur Erreichung von Zielen werden geheim abgesprochen. Ein Produkt wird geheim entwickelt. Parteien sprechen hinter verschlossenen Türen miteinander. Ein gut Teil des Militärbereiches ist geheim. Das widerspricht nicht gegen die “herrschende Moral”.

    Ja, gut, da hast du recht. Den Grund Konkurrenten über die Wahl der eigenen Mittel im unklaren zu lassen gibt es auch noch. Nur macht das doch die Interessen dabei nicht besser oder schlimmer.

  6. 6 Administrator 18. Januar 2008 um 21:56 Uhr

    Krass, wie du Kulla deiner Kritik zurechtbiegst.

    Naja, mal schauen ob das so stimmt:

    Wo er in Ideologien verschwörungsideologische Elemente ausmacht, sagst du, er würde diese Ideologien komplett darauf reduzieren.

    Ich seh einfach nicht den großartigen Unterschied zu anderen falschen Erklärungen erfahrener Schädigungen. Aber vielleicht kannst du mir das ja erklären.

    Von “internationalem Bedeutungsverlust” hat er, soweit ich mich recht erinnere, überhaupt nicht gesprochen. Auch war in dem Zusammenhang nicht von “Misserfolgen ihres Staates in der Staatenkonkurrenz” die Rede.

    Von Bedeutungsverlust war da schon die Rede, wo es darum ging, dass die DDR-BürgerInnen sich nach Scheitern ihres Staatsprojektes (da hast du dann auch den Misserfolg) dadurch noch ein bisschen wichtig fühlen konnten, dass sie sich als Opfer einer Verschwörung gesehen haben.

    Es erscheint mir, als würdest du deine Kritik bereits vorher formuliert und Kullas Vortrag nur noch nach vermeintlichen Belegen dafür abgehört haben.

    Natürlich hab ich mir vor dem Vortrag schon Gedanken darüber gemacht was der sonst so erzählt und ob das alles stimmt. In diesem linken Blogosphären-Sumpf kommst du um Kullas Blog und seine Thesen ja auch kaum herum. Ich frag mich was daran schlimm sein soll. Anlass für meine Kritik hab ich ja offensichtlich gefunden. Ob die Kritik nun stimmt oder nicht musst du halt selbst prüfen – hinzuerfunden hab ich nun nichts, Sachen die spekulativ sind stehen in den Fußnoten und sind auch eindeutig als solche zu erkennen.

    Ich fand es auch sehr unterhaltsam, mit vielschichtigen Beispielen illustriert und an vielen Stellen überraschen komisch.

    Schön für dich. Ich hab mich nicht so wahnsinnig amüsiert, aber ich mochte die Lakritze die da rumstanden. Magst du auch Lakritze?

    Auch die Engelsgeduld, mit der Kulla auf die sich ständig wiederholende Kritik im Sound von “Was ist denn bitte der Nutzen…” einging, hat mir imponiert.

    Wieso hat dir nicht imponiert wie immer wieder die Kritik im Sound von „Was ist denn bitte der Nutzen…“ vorgetragen wurde, obwohl Kulla darauf keine Antwort gegeben hat?

    Aber das hat er natürlich nur nicht verstanden…

    Naja, kann doch sein? Deshalb hab ich’s ja noch mal erklärt, schriftlich ist sowas ja auch vielleicht leichter.

  7. 7 Administrator 18. Januar 2008 um 22:13 Uhr

    Erst gibt’s bei dir gar keine Verschwörungen, sondern nur ganz realen Imperialismus;

    Da steht nirgendwo das es keine Verschwörungen gäbe. Da steht, dass mir der Unterschied zwischen stinknormalem Nationalismus und Verschwörungstheorien nicht einleuchten will.

    dann kommt doch plötzlich eine platte Verschwörungsdefinition daher, aus der du dann Urteile über Kullas “harmlosen Verschwörungsdenken” ableiten willst.

    Naja, die kommt nicht „plötzlich daher“, sondern auf die Wurde sich schon mehr oder weniger während der Diskussion geeinigt – Kulla ist die selbst mitgegangen. Aber ich würde gerne eine komplexere und tiefere Defintion von Verschwörung lesen. :)

    Weder die Subjekte von Verschwörungstheorien (egal welcher Spielart), noch die Gestalt ihrer “Analysen” spielen in deiner Kritik eine Rolle, obwohl es bei der Entschwörungstheorie genau darum geht.

    Okay, ich weiß jetzt nicht genau wen du mit „Subjekte von Verschwörungstheorien“ meinst. Vielleicht kannst du das noch mal ausführen. Was die Gestalt der Analysen betrifft, so finde ich keinen Unterschied zu den falschen Erklärungen die sich Leute den ganzen Tag über ihre schlechte Lage machen. Und damit wäre die Hälfte vom Witz an der „Entschwörung“ schon weg.

    Nicht um das x-te Wiederkäuen der immer gleichen antikapitalistischen Basics mit implizitem Weiterdenkverbot.

    Ich weiß nicht wo du ein „Weiterdenkverbot“ ausmachst, aber an einer Analyse die ich für treffend halte festzuhalten ist ein doofer Vorwurf an mich. Und wenn du schon von „Basics“ redest, wenn das tatsächlich eine Grundlage der Kapitalismuskritik ist die du teilst, dann sollte dir der Widerspruch zwischen diesen Basics und dem was Kulla erzählt aufgefallen sein.

  8. 8 Paule 18. Januar 2008 um 23:22 Uhr

    Da steht nirgendwo das es keine Verschwörungen gäbe. Da steht, dass mir der Unterschied zwischen stinknormalem Nationalismus und Verschwörungstheorien nicht einleuchten will.

    Richtig, richtig. Mit der Verschwörung, die es bei dir nicht gäbe, war schon die Verschwörung als Gegenstand einer Verschwörungstheorie gemeint (also das mehr, was über die „normalen“ Auswürfe von Nationalismus hinausgeht): Die Verschwörungen, die du – wahrscheinlich nicht grundlos – in Anführungszeichen setzt.

    Naja, die kommt nicht “plötzlich daher”, sondern auf die Wurde sich schon mehr oder weniger während der Diskussion geeinigt – Kulla ist die selbst mitgegangen. Aber ich würde gerne eine komplexere und tiefere Defintion von Verschwörung lesen.

    Ich war nicht bei eurer Veranstaltungen und weiß nicht, wie sich eure Diskussion entwickelt hat, oder was Kulla in welchem Kontext mitgemacht hat. In deinem Text werden Verschwörungen allerdings tatsächlich „plötzlich“ definiert als: ‚die geheime Absprache über die Verwendung von Mitteln, die der herrschenden Moral oder der staatlichen Ordnung widersprechen‘. Es geht mir nicht um mehr Komplexität, Tiefsinnigkeit oder Bla, sondern darum, dass es von diesem Ausgangspunkt her „albern“ ist, die Einnahme einer bestimmten Position zu analysieren.

    Okay, ich weiß jetzt nicht genau wen du mit “Subjekte von Verschwörungstheorien” meinst. Vielleicht kannst du das noch mal ausführen.

    Ich meine die Verschwörungstheoretiker, ihre Instrumentalisierenden, ihre Vermittler und damit natürlich auch die Analyse ihrer Motive, Bedürfnisse, Ressentiments und so weiter und so fort.

    Was die Gestalt der Analysen betrifft, so finde ich keinen Unterschied zu den falschen Erklärungen die sich Leute den ganzen Tag über ihre schlechte Lage machen. Und damit wäre die Hälfte vom Witz an der “Entschwörung” schon weg.

    Naja, um die Suche nach einem Unterschied soll es ja auch nicht gehen. Wenn diese alltäglichen, falschen Erklärungen als Verschwörungsdenken zu demaskieren wären, würde auch das ein Ergebnis sein, dass über einen neuen Namen für die gleiche Sache hinaus ginge.

    Ich weiß nicht wo du ein “Weiterdenkverbot” ausmachst, aber an einer Analyse die ich für treffend halte festzuhalten ist ein doofer Vorwurf an mich. Und wenn du schon von “Basics” redest, wenn das tatsächlich eine Grundlage der Kapitalismuskritik ist die du teilst, dann sollte dir der Widerspruch zwischen diesen Basics und dem was Kulla erzählt aufgefallen sein.

    Ich glaube tatsächlich, dass wir einige „Basics“ teilen, auch wenn ich mir gerade nicht sicher bin, ob wir diese auch gleich benennen würden. Ich verstehe allerdings nicht, warum die grundsätzliche Kapitalismuskritik immer als Messlatte für die Bewertung von allem und jedem herhalten muss. Nochmal: Ich kann mich nur auf deinen Text und nicht auf eure Diskussion beziehen, aber hier sieht es so aus, als wäre dein Problem mit Kullas Position zum offenen Verschwörungsdenken, dass sie den grundsätzlichen Unfug des Kapitalismus nicht akkurat immer und immer wieder ausdrücklich benennt. Ein Widerspruch ist mir wirklich nicht aufgefallen. Wo hättest du denn von deiner „treffenden Analyse“ Abstand nehmen müssen? Ich will dir nicht vorwerfen, an einer Sache festzuhalten, sondern „diese Sache“ überzustrapazieren.

    Das Weiterdenkverbot war die, dir unterstellte, Ablehnung eines Gedankens, weil er nicht mit einfachen „antikapitalistische Kategorien“ wiederzugeben ist.

  9. 9 paule 17. Februar 2008 um 10:35 Uhr

    Ich komme gerade an meinem Bookmark vorbei und ärgere mich über meine eigene Großmäuligkeit. Der „Ton“ war daneben. :/

  10. 10 crescent 20. Februar 2008 um 16:06 Uhr

    Lieber paule, das Problem war doch mitnichten deine Großmäuligkeit, sondern dass du in deinem Beitrag kein einziges Argument gebracht hast auf welches es sich lohnen würde einzugehen. Kullas Fehler wird in misstakenidentitys Beitrag doch korrekt benannt. Er dichtet offenen Verschwörungstheorien ein Potential an, das die diese schlicht und ergreifend nicht besitzen. Anstatt das verkehrte Bewußtsein, das dort unterwegs ist, zu kritisieren sucht der linke Depp Anknüpfungspunkte für seinen eigenen Unsinn.

  11. 11 paule 20. Februar 2008 um 18:34 Uhr

    Ich habe mich über meinen Ton geärgert, ob der für jemand anderen ein Problem war, oder nicht. Was Du hier für lohnend hälst, interessiert ehrlich gesagt nicht sonderlich.

  12. 12 paule 20. Februar 2008 um 18:39 Uhr

    .. interessiert „mich“ nicht, natürlich. Ich will ja nicht schon wieder unfreundlich sein.

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