Archiv für April 2008

Gysi hingerotzt

Hingerotzt freut sich über die neue Israelsoli der Linkspartei. Das ist konsequent, denn weder hingerotzt noch Gysi haben sich zur

„deutschen Staatsräson“ noch nie jemals kritisch gestellt.

Tibet – Freiheit – Scheiße

KoKa Augsburg kündigt schon mal an das ein Artikel der Genoss_innen vom Gegenstandpunkt zu der ganzen Free-Tibet-Scheiße in der Mache ist. Kritik handelt sich die Gruppe mit dem sympathischen Namen allerdings von der 56. Internationalen auf Blogsport ein. KoKa schreibt nämlich:

Wäre China wirklich kommunistisch, hätte es zumindest den einheimischen Tibetschreiern schon längst die Verrücktheit eines nationalistischen Standpunkts erläutert (anstatt ihm Autonomie zu gewähren)

Der Abgleich zwischen dem was KoKa kommunistisch findet und dem was die KP China anstellt ist natürlich so falsch ist wie Kullas Rumgeheule die KPCh würde ihm das schöne Wort „Kommunismus“ verleiden. Denn Leute denen es um eine Kritik an Herrschaft im Allgemeinen und Staat und Kapital im Besonderen geht, können auf die Deutungshoheit über ein Wort, das mehr an katholische Abendmahlsliturgie als an ein herrschaftsloses Miteinander klarkommen erinnert, ziemlich gut verzichten. Allerdings ist geht es Walgesang in seiner Kritik gar nicht darum: In bester „Praktiker“-Manier möchte er sich um die Konsequenz aus dem richtigen Urteil der KoKas, nämlich, dass das was ansteht nicht die staatliche Garantie irgendeiner Autonomie für Leute die sich für „ein Volk“ halten ist, sondern das Aufhetzen derselben gegen Staat und ihre verkehrte Identität als Volk, herumdrücken. An der Stelle nehme ich ihm einfach mal ab, dass er das Urteil schon grundsätzlich teilt und die Gründe die er anführt, warum er diese Sache nach hinten verschieben will für ihn grade einleuchtend sind, was allerdings nichts daran ändert, dass sie falsch sind:

[Lenin sagt] , daß man gerade dann, wenn man die Arbeiter der unterdrückten Nationen erst für einen gemeinsamen Klassenkampf später dann für den Aufbau eines Arbeiterstaates gewinnen will, deren Vorbehalte gegen die vorherrschende Nation durch gewisse “Konzessionen” entgegentreten sollte.

1. ob die Arbeiter_innen sich nun einer unterdrückten Nation oder herrschenden Nation zugehörig fühlen, ist für die Frage des gemeinsamen Klassenkampfes ersteinmal vollkommen unerhebliche. Denn wenn die Arbeiter_innen sich tatsächlich als Klasse gegen die herrschenden Zustände organisieren wollen, die ihnen schaden, dann ist von vornherein klar, dass die Identität der Arbeiter_innen eben in der Interessensgleichheit als Arbeiter_innen sich der erlittenen Schädigungen zu entledigen liegt und nicht darin „ihrer“ Nation die in der Konkurrenz der Gewaltmonopolisten schlecht abschneidet (sofern es überhaupt ein Gewaltmonopol gibt, das den Namen dieser Nation im Schilde führt) zur Kompensation zu verhelfen.

2. Sofern ein falsches Bewusstsein solcherart bei den Arbeiter_innen vorhanden ist, dass sie den Erfolg „ihrer eigenen“ Nation (i.e. der Staatsgewalt die sie als nationale Arbeiter_innenschaft zusammenfasst) als das Mittel ihres materiellen Interesses an der Abschaffung der Schädigungen begreifen, ist hieran doch keinerlei Konzession zu machen, sondern Kritik zu üben. Kritik, dass ist die Sache mit den Argumenten, die doch jeder einleuchten können – warum also auch nicht den Arbeiter_innen einer in der Konkurrenz unterlegenen Nation? Walgesangs Argument ist hier das Misstrauen dieser Leute gegenüber der „vorherrschenden Nation“. Der Fehler der Möchtegern-Agitator_innen leninistischer Prägung ist doch hier schon als Vertreter_innen einer „vorherrschenden Nation“ aufzulaufen, anstatt als Leute die halt ein Interesse an Abschaffung von Schädigungen haben und versuchen andere für diese Sache zu gewinnen. Daraus ergibt sich nämlich schon zwangsläufig der Verrat an Volk, Nation und Rasse1 – verkehrten Identitäten allesamt, da sie nicht auf einem vernünftigen Interesse gründen. Hier deutet sich schon an, dass Walgesang das Urteil der Kokas gar nicht teilt, deutlicher wird das aber im weiteren:

3. Konzessionen an Nationalismen, sowohl herrschende wie auch nicht-herrschende muss Walgesang nur machen, weil er falscher Weise meint, mit dem Aufbau eines sog. „Arbeiterstaates“ sei schon viel gewonnen. Aber das wiederum ist Unsinn und unnötig. Warum sollten Leute, die sich in ihren Zwecken einig sind, sich auf ein abstraktes Gemeinwohl, das von einem Staat repräsentiert wird verpflichten lassen? Zu dem, warum sollten sie sich einen zum „Arbeiterstaat“ passenden „Arbeiternationalismus“ einleuchten lassen um ihre Opfer für dieses Gemeinwohl zu legitimieren? Wenn die Leute wissen worum es in ihrem Kampf geht und was abzuschaffen ist, dann brauchen sie keine Legitimation dafür das sie ihr Interesse grade nicht durchsetzen können, sondern sehen zu das sie Zustände schaffen in denen dieses Interesse verwirklicht werden kann (i.e. Weltrevolution). Sich dem Regiment eines Arbeiterstaates zu unterwerfen ist da doch eher ein abwegiger Gedanke.

  1. Natürlich haben die Leute die zu einem Volk, einer Nation, einer Rasse, einem Geschlecht oder zu einer Klasse sortiert werden und deshalb schlecht wegkommen schon ein gemeinsames materielles Interesse daran das zu ändern. Das soll damit gar nicht durchgestrichen werden, nur kommt es doch sehr darauf an die Gründe für dieses schlecht wegkommen richtig zu bestimmen. [zurück]