Archiv für Mai 2009

Staat und so

Liebe Lahmacun, du schreibst hier:

aus der bestimmung lässt sich aber die intention ableiten. beim bürgerlichen staat ist das die sicherung des eigentums. an der sicherung von eigentum hat aber eine menschengruppe, die durch eigentum permanent geschädigt wird, kein objektives interesse :P (subjektiv machen sie durchaus diesen fehler, keine frage, und verwechseln das interesse der gegnerischen klasse mit ihrem.)
die menschengruppe jedoch, die – im gesamten – von der sicherung des eigentums profitiert, schon.

Ich hatte bereits hier und hier versucht zu erklären, warum deine Ableitung des staatlichen Eigentumsschutzes aus dem Willen seiner produktionsmittel-besitzenden Bürger zum Eigentum nicht hinhaut und der Umkehrschluss, Proletarier hätten kein objektives Interesse am Eigentum damit auch nicht. Denn:
a) haben erstmal alle Bürger, an sich kein Interesse am Eigentum, ausser an dem eigenen. Das ist logisch, denn das Eigentum der Anderen tritt ihnen als Beschränkung ihres Zugriffs auf die Dinge, die den Anderen gehören gegenüber. Diese Kritik am Eigentum teilt noch jeder Bürger, dass das eigene nämlich zu klein ist.
b) Weil das so ist, sind die Bürger auf eine Instanz verwiesen, die ihr Privatinteresse (nicht „subjektives Interesse, das ist etwas anderes) beschränkt. Diese Instanz ist der bürgerliche Staat, der nicht nur das Eigentum des einzelnen Bürgers garantiert, sondern das Eigentum als abstraktes Prinzip. Auch den Proleten garantiert der Staat ihr bescheidenes Eigentum. Damit ist nicht die Zahnbürste oder das Reihenhaus gemeint, sondern ihre Arbeitskraft.
c) Weil die Arbeitskraft in diesen Verhältnissen das Mittel des ökonomischen Klarkommens der Proleten ist, haben sie ein objektives Interesse am Schutz dieses Eigentums, so wie der Kapitalist ein Interesse am Schutz des Privateigentums an Produktionsmitteln hat und der Grundbesitzer auch nicht jeden auf seinem Boden herumackern haben will.
d) Die Proletarier machen sich in ihrem Willen zum Staat keineswegs das Interesse der gegnerischen Klasse zu eigen, sondern sehen in ihm ihr Klasseninteresse, nämlich nach Lohn und Schutz vor Zwangsarbeit, aufgehoben. Durch diese Unterwerfung unter die Gewalt des Staates und der Anerkenntnis des fremden Eigentums an den Produktionsmitteln, taugen sie gerade um sich an diesem zu verdingen.

Die taz über die Onkelz:

taz-Anwalt Eisenberg verwies darauf, dass die Überhöhung des Männlichen, die Verherrlichung der Gewalt und die Weltsicht des Bandmitglieds Weidner, für den 99 Prozent der Journalisten Arschlöcher sind, alles andere als zivilgesellschaftliche Haltung seien.

Naja. Ich würde sagen, an der Stelle haben beide irgendwie recht.