Staat und so

Liebe Lahmacun, du schreibst hier:

aus der bestimmung lässt sich aber die intention ableiten. beim bürgerlichen staat ist das die sicherung des eigentums. an der sicherung von eigentum hat aber eine menschengruppe, die durch eigentum permanent geschädigt wird, kein objektives interesse :P (subjektiv machen sie durchaus diesen fehler, keine frage, und verwechseln das interesse der gegnerischen klasse mit ihrem.)
die menschengruppe jedoch, die – im gesamten – von der sicherung des eigentums profitiert, schon.

Ich hatte bereits hier und hier versucht zu erklären, warum deine Ableitung des staatlichen Eigentumsschutzes aus dem Willen seiner produktionsmittel-besitzenden Bürger zum Eigentum nicht hinhaut und der Umkehrschluss, Proletarier hätten kein objektives Interesse am Eigentum damit auch nicht. Denn:
a) haben erstmal alle Bürger, an sich kein Interesse am Eigentum, ausser an dem eigenen. Das ist logisch, denn das Eigentum der Anderen tritt ihnen als Beschränkung ihres Zugriffs auf die Dinge, die den Anderen gehören gegenüber. Diese Kritik am Eigentum teilt noch jeder Bürger, dass das eigene nämlich zu klein ist.
b) Weil das so ist, sind die Bürger auf eine Instanz verwiesen, die ihr Privatinteresse (nicht „subjektives Interesse, das ist etwas anderes) beschränkt. Diese Instanz ist der bürgerliche Staat, der nicht nur das Eigentum des einzelnen Bürgers garantiert, sondern das Eigentum als abstraktes Prinzip. Auch den Proleten garantiert der Staat ihr bescheidenes Eigentum. Damit ist nicht die Zahnbürste oder das Reihenhaus gemeint, sondern ihre Arbeitskraft.
c) Weil die Arbeitskraft in diesen Verhältnissen das Mittel des ökonomischen Klarkommens der Proleten ist, haben sie ein objektives Interesse am Schutz dieses Eigentums, so wie der Kapitalist ein Interesse am Schutz des Privateigentums an Produktionsmitteln hat und der Grundbesitzer auch nicht jeden auf seinem Boden herumackern haben will.
d) Die Proletarier machen sich in ihrem Willen zum Staat keineswegs das Interesse der gegnerischen Klasse zu eigen, sondern sehen in ihm ihr Klasseninteresse, nämlich nach Lohn und Schutz vor Zwangsarbeit, aufgehoben. Durch diese Unterwerfung unter die Gewalt des Staates und der Anerkenntnis des fremden Eigentums an den Produktionsmitteln, taugen sie gerade um sich an diesem zu verdingen.


10 Antworten auf “Staat und so”


  1. 1 tee 05. Mai 2009 um 0:58 Uhr

    arbeitskraft als eigentum? wer ausser dir sieht das denn noch so?

  2. 2 Karl Heinrich 05. Mai 2009 um 2:09 Uhr

    Nun ja, Leser der blauen Bände und grauen Hefte z.B.? MEW 23/182:
    „Unter dieser Voraussetzung kann die Arbeitskraft als Ware nur auf dem Markt erscheinen, sofern und weil sie von ihrem eignen Besitzer, der Person, deren Arbeitskraft sie ist, als Ware feilgeboten oder verkauft wird. Damit ihr Besitzer sie als Ware verkaufe, muß er über sie verfügen können, also freier Eigentümer seines Arbeitsvermögens, seiner Person sein. Er und der Geldbesitzer begegnen sich auf dem Markt und treten in Verhältnis zueinander als ebenbürtige Warenbesitzer, nur dadurch unterschieden, daß der eine Käufer, der andre Verkäufer, beide also juristisch gleiche Personen sind. Die Fortdauer dieses Verhältnisses erheischt, daß der Eigentümer der Arbeitskraft sie stets nur für bestimmte Zeit verkaufe, denn verkauft er sie in Bausch und Bogen, ein für allemal, so verkauft er sich selbst, verwandelt sich aus einem Freien in einen Sklaven, aus einem Warenbesitzer in eine Ware. Er als Person muß sich beständig zu seiner Arbeitskraft als seinem Eigentum und daher seiner eignen Ware verhalten, und das kann er nur, soweit er sie dem Käufer stets nur vorübergehend, für einen bestimmten Zeittermin, zur Verfügung stellt, zum Verbrauch überläßt, also durch ihre Veräußerung nicht auf sein Eigentum an ihr verzichtet.“

  3. 3 tee 05. Mai 2009 um 10:43 Uhr

    oki doki

  4. 4 Difficult is Easy 05. Mai 2009 um 10:43 Uhr

    @tee:
    mach doch ne umfrage…
    *augenverdrehsmiley goes here*

  5. 5 tee 05. Mai 2009 um 14:55 Uhr

    ach diffi, es reicht wenn karl heinrich die frage verstanden hat.

  6. 6 Difficult is Easy 07. Mai 2009 um 11:04 Uhr

    jaja, karl heinrich hat DICH schon verstanden;)
    deine frage ist etwas völlig anderes. die ist nämlich ganz schlicht deine platte negierung von missys aussage: „DAS glaubst auch nur du!“
    lieb ist es von karl heinrich, dir, neben der korrekten beantwortung deiner frage („das glauben auch…“), zu erklären weshalb es so ist.

  7. 7 tee 07. Mai 2009 um 11:54 Uhr

    boah diffi, halt doch einfach mal deine klappe!

    ich wollte selbstverständlich eine erklärung warum arbeitskraft als eigentum zu betrachten ist. karl heinrich hat’s gecheckt und du halt nicht, sei deswegen nicht gleich so pissig.

  8. 8 Blubbleman DSL CLan 10. Dezember 2009 um 15:39 Uhr

    Ich muss leider darauf Hinweisen, dass alle Links zu Lahmacum gesperrt sind ;( Konnte Deine Argumentation leider nicht nachverfolgen…

  1. 1 ambivalenz Trackback am 06. Mai 2009 um 15:09 Uhr
  2. 2 O hai let me wanna-be! pe Trilema - Un blog de Mircea Popescu. Pingback am 12. Oktober 2014 um 3:58 Uhr
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